Wirtschaft im Jahr 2020: Historischer Rückgang von -6,3%

Das vorläufige Ergebnis für die reale wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2020 von -6,3% bedeutete vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie einen dramatischen Einbruch der Wirtschaftsleistung, der den Rückgang des Jahre 2009 (-3,8%) im Zuge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise noch deutlich übertraf. Nach derzeit vorliegenden Informationen lag Österreich damit im Vergleich mit den EU-Mitgliedsländern etwa im unteren Drittel. Der wichtigste Handelspartner Deutschland schnitt mit einem Minus von 4,8% deutlich besser ab, Italien als zweitwichtigster Partner mit -8,9% deutlich schlechter (Quellen: EUROSTAT; DESTATIS; ISTAT).

Das österreichische Bruttoinlandsprodukt zu laufenden Preisen lag im Jahr 2020 bei rund 377,3 Mrd. Euro (-5,1%), das entspricht einem Wert von 42.300 Euro pro Einwohner.

Der reale Rückgang fiel im Produzierenden Bereich (real -5,5%) insgesamt etwas geringer aus als im Dienstleistungsbereich (real-6,1), wobei der tertiäre Sektor vor allem durch die staatsnahen Dienstleistungen (Öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen, Bildungswesen) gestützt wurde. Am wenigsten stark von der Krise betroffen war im Produzierenden Bereich die Wasser- und Abfallwirtschaft, deren Anteil an der Gesamtwertschöpfung allerdings gering ist. Das Minus im Bauwesen (real -2,1%) fiel im Vergleich mit den anderen Wirtschaftsbereichen deutlich geringer aus. Die Herstellung von Waren (real -7,1%) war maßgeblich für den Rückgang im Produzierenden Bereich verantwortlich.  Die am stärksten betroffenen Dienstleistungsbranchen waren Beherbergung und Gastronomie (real -35,8%), Kultur-, Unterhaltungs- und persönliche Dienstleistungen (real -18,3%) sowie Verkehrsdienstleistungen (real -13,8%). Der Handel als gewichtigste Dienstleistungsbranche schrumpfte 2020 real um 4,8%.

Die Nachfrage nach Anlagegütern verzeichnete 2020 einen deutlichen realen Rückgang von -5,7%, wozu durchwegs alle Investitionskategorien beitrugen. Am kräftigsten schrumpften die Fahrzeuginvestitionen (-13,2%), gefolgt von den Investitionen in Maschinen (11,5%).  Moderater war der Rückgang bei den Bauinvestitionen (real -3,1%) und bei der Nachfrage nach Gütern der Informations- und Kommunikationstechnologie (real -3,4%).

Ein massiver Rückgang war auch bei den Konsumausgaben insgesamt zu beobachten (real -6,1%), was vor allem an den Konsumausgaben der privaten Haushalte lag, die ein reales Minus von 9,4% verzeichneten. Die stärksten Einbrüche gab es beim Konsum von Dienstleistungen (Beherbergung und Gastronomie, Verkehr, persönliche Dienstleistungen). Einen Anstieg gab es bei dauerhaften Konsumgütern (z.B. Möbel) und bei digitalen Dienstleistungen. Die Konsumausgaben des Staates wuchsen real um 2,3%, wobei sich hier der Erwerb von Gütern zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie auswirkte.

Der Einbruch in der Herstellung von Waren spiegelt sich auch in den Warenexporten wider, deren realer Rückgang mit real -6,4% ähnlich stark ausfiel wie jener der Warenimporte (real -6,8%). Deutlich stärker waren die Einbrüche bei den Exporten (real -18,1%) und Importen (real -16,7%) von Dienstleistungen, nicht zuletzt aufgrund der Beschränkungen im Reiseverkehr.

Krisenbedingt sanken die geleisteten Arbeitsstunden im Jahr 2020 um 8,8%. Aufgrund der gesetzten Maßnahmen sank die Zahl aller unselbständig und selbständig Erwerbstätigen in Österreich lediglich um 1,8% bzw. um rund 86.000 auf knapp mehr als 4,7 Mio. Beschäftigungsverhältnisse. Das Arbeitnehmerentgelt ging 2020 ebenfalls um 1,8% zurück. 

Der "BIP-Deflator" (impliziter Preisindex, errechnet aus nominellem und realem Bruttoinlandsprodukt auf Vorjahrespreisbasis) stieg um 1,2 %. Die Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen inländischen Preisauftriebs fiel damit geringer aus als die Veränderungsrate des Verbraucherpreisindex (+1,4%).

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung Hauptgrößen
Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftssektoren, nominell
Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftsbereichen, nominell
Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftsbereichen, real
Verteilung des BIP, nominell
Verwendung des BIP, nominell
Verwendung des BIP, real
Konsumausgaben, nominell
Konsumausgaben, real
Privater Konsum, nominell
Privater Konsum, real
Bruttoinvestitionen, nominell
Bruttoinvestitionen, real
Erwerbstätigkeit nach ESVG-Konzepten
Arbeitnehmerentgelt

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