Pressemitteilung: 12.637-228/21

Unternehmen werden digitaler, Technologien intelligenter

Wien, 2021-10-19 – Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung österreichischer Unternehmen beschleunigt: So stiegen im Jahr 2020 die Remote-Zugriffe auf unternehmensrelevante Systeme oder Anwendungen sowie die Anzahl von Video-Meetings. Wie die Erhebung zum Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Unternehmen von Statistik Austria weiter ergab, setzte jedes fünfte Unternehmen mit zehn oder mehr Beschäftigten im Jahr 2020 Maßnahmen für die verstärkte Nutzung von Online-Vertriebswegen. Zudem verwenden aktuell 9% aller Unternehmen Technologien Künstlicher Intelligenz (KI).

"Die Corona-Pandemie hat in Österreichs Unternehmen zu einem weiteren Digitalisierungsschub geführt. Im Jahr 2020 wurden deutlich mehr virtuelle Besprechungen oder Remote-Zugriffe auf Computer-Systeme verzeichnet. Zudem hat fast jedes fünfte Unternehmen im Verkauf stärker auf Websites, Apps oder Online-Marktplätze gesetzt. Auch Künstliche Intelligenz spielt mittlerweile eine wichtige Rolle. Bei großen Unternehmen mit 250 oder mehr Beschäftigten setzt fast jedes dritte Unternehmen KI-basierte Technologien ein, vor allem bei Texterkennung, Datenanalyse oder der Automatisierung von Prozessen bzw. Arbeitsschritten", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Digitalisierungsschub aufgrund der Corona-Pandemie

Aufgrund der Maßnahmen in Folge der COVID-19-Pandemie mussten sich Unternehmen sowie Beschäftigte schnell auf geänderte Arbeitssituationen einstellen. Mehr als die Hälfte aller österreichischen Unternehmen mit zehn oder mehr Beschäftigten (56%) meldete eine vermehrte Anzahl von Video-Meetings im Jahr 2020. Zudem gaben jeweils 38% der Unternehmen an, dass mehr Beschäftigte Remote-Zugriff auf das E-Mail-System bzw. auf Netzwerk, Software, Applikationen oder Dokumente des Unternehmens haben. Große Unternehmen weisen dabei deutlich höhere Anteile als mittelgroße oder kleine Unternehmen auf (siehe Tabelle 1).

Insgesamt spielte die Pandemiesituation beim Anstieg von Video-Meetings im Jahr 2020 in 99% der befragten Unternehmen eine Rolle, in 77% war dies sogar der einzige Grund. Ähnliches zeigt sich bei den vermehrten Remote-Zugriffen: 97% der befragten Unternehmen machten COVID-19 teilweise oder allein für den Anstieg des Remote-Zugriffs auf das E-Mail-System verantwortlich, in mehr als der Hälfte (54%) war dies der alleinige Grund. 98% der Unternehmen erweiterten den Remote-Zugriff von Beschäftigten auf Netzwerk, Software, Applikationen oder Dokumente aufgrund von COVID-19, für sechs von zehn Unternehmen (59%) war dies der ausschließliche Grund. Nach Unternehmensgröße betrachtet variieren die Anteile kaum, in den Wirtschaftszweigen gibt es jedoch Unterschiede (siehe Grafik).

Beinahe jedes fünfte Unternehmen (19%) hat im Jahr 2020 Maßnahmen gesetzt, um Waren oder Dienstleistungen künftig über Websites, Apps oder Online-Marktplätze zu verkaufen oder den Online-Vertrieb verstärkt zu nutzen. Für Unternehmen aus dem Produzierenden Bereich trifft dies auf 13% zu, bei jenen aus dem Dienstleistungsbereich gar auf fast jedes vierte Unternehmen (23%; siehe Tabelle 1).

9% aller Unternehmen nutzen Künstliche Intelligenz

Technologien, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren, werden aktuell von 9% aller Unternehmen genutzt. Die KI-Nutzung hängt stark mit der Unternehmensgröße zusammen: Während 7% der kleinen Unternehmen (zehn bis 49 Beschäftigte) und 15% der mittelgroßen Unternehmen (50 bis 249 Beschäftigte) KI-basierte Technologien nutzen, sind es bei den großen Unternehmen (250 und mehr Beschäftigte) bereits 32%, also fast jedes dritte Unternehmen (siehe Tabelle 2).

KI-Technologien werden am häufigsten zur Texterkennung und -verarbeitung (z. B. Text Mining; 56% der Unternehmen mit KI-Nutzung) sowie zur Datenanalyse (z. B. Maschinelles Lernen, Deep Learning; 42%) eingesetzt, gefolgt von KI-Technologien zur Automatisierung von Prozessen oder Arbeitsschritten (z. B. KI-Software-basierte Robotic Process Automation; 29%) sowie Erkennung, Verarbeitung und Generierung natürlicher Sprache (NLP, NLG; 28%; siehe Tabelle 2).

Unternehmen setzen KI-Technologien vor allem für Organisation betriebswirtschaftlicher Prozesse sowie für Marketing und Verkauf ein (30% bzw. 29% der Unternehmen mit KI-Nutzung). Beinahe jedes vierte Unternehmen mit KI-Nutzung setzt entsprechende Technologien im Bereich des Managements oder der Führung des Unternehmens ein (23%), ebenso viele nutzen KI im Rahmen von Produktionsprozessen (22%; siehe Tabelle 2).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum IKT-Einsatz in Unternehmen finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Diese Daten stammen aus hochgerechneten Ergebnissen der Erhebung über den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Unternehmen 2021. Auf Basis einer EU-Verordnung (Verordnung (EU) 2019/2152), die Österreich und alle anderen EU-Mitgliedstaaten zur Datenlieferung verpflichtet, sowie einer Durchführungsverordnung (Verordnung (EU) 2020/1030), die alle abzufragenden Indikatoren beinhaltet, wurde die Erhebung von Statistik Austria mit einem europaweit einheitlichen Fragenprogramm, standardisierten Definitionen und einer einheitlichen Methodik als Stichprobenerhebung durchgeführt. 
Rund 3.050 Unternehmen ab zehn Beschäftigten (aus den Bereichen Herstellung von Waren; Energie- und Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzung; Bau; Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen; Verkehr und Lagerei; Beherbergung und Gastronomie; Information und Kommunikation; Grundstücks- und Wohnwesen, Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen; Reparatur von Datenverarbeitungs- und Telekommunikationsgeräten) haben von Februar bis Juli 2021 an der Befragung teilgenommen. 
Berichtszeitraum war – sofern nicht anders angegeben – der Befragungszeitpunkt. Das Fragenprogramm umfasste neben jährlich zu erhebenden Hauptindikatoren zu Internetnutzung und E-Commerce auch jährlich wechselnde Indikatoren zu IKT-relevanten Schwerpunktthemen (gemäß der Mitteilung "Digital Single Market Strategy" der Europäischen Kommission und dem für die Erhebung gültigen Benchmarking-Framework "Monitoring the Digital Economy & Society 2016–2021"). 
Das für 2021 geltende Schwerpunktthema lautet "Künstliche Intelligenz (KI)". Die Nutzung solcher Technologien basierend auf KI dient dazu, intelligentes Verhalten zu reproduzieren und einen gewissen Grad an Eigenständigkeit aufzuweisen. KI umfasst sowohl rein Software-basierte Systeme als auch autonome Systeme, die Software und Geräte beinhalten.

 

Tabelle 1: Unternehmen mit erhöhter Anzahl von Video-Meetings und Remote-Zugriffen sowie Maßnahmen zur (verstärkten) Nutzung von Online-Vertriebswegen im Jahr 2020
MerkmaleAlle UnternehmenUnternehmen mit erhöhter Anzahl von … Unternehmen setzen Maßnahmen zur (stärkeren) Nutzung von Websites, Apps oder Online-Marktplätzen für den Verkauf von Waren oder Dienstleistungen
Video-MeetingsRemote-Zugriffen auf das E-Mail-System des Unter-nehmensRemote-Zugriffen auf Netzwerk, Software, Applikationen oder Dokumente des Unter-nehmens
in Prozent
Insgesamt41.05156,338,237,519,4
Wirtschafszweige (ÖNACE 2008)
10-33 
Herstellung von Waren
6.70564,343,542,019,3
35-39 
Energieversorgung; Wasserversorgung; Abwasser-und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen
48760,839,442,914,2
41-43 
Bau
6.42138,127,726,75,6
45-47 
Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
9.57259,239,135,925,4
49-53 
Verkehr und Lagerei
2.71735,730,330,46,4
55, 56 
Beherbergung und Gastronomie
5.36027,818,117,434,6
58-63 
Information und Kommunikation
1.73897,557,466,226,8
68-75 
Grundstücks- und Wohnungswesen; Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen
5.27390,361,564,016,8
77-82, 95.1 
Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen; Reparatur von Datenverarbeitungs- und Telekommunikationsgeräten
2.77752,836,633,315,8
Beschäftigtengrößenklassen6.70564,343,542,019,3
10-49 Beschäftigte34.45950,632,531,218,8
50-249 Beschäftigte5.40083,465,266,422,1
250 und mehr Beschäftigte1.19297,380,187,125,3

 

Tabelle 2: Unternehmen mit Nutzung von Technologien basierend auf Künstlicher Intelligenz 2021
MerkmaleAlle UnternehmenUnternehmen mit … Beschäftigten
10-4950-249250 und mehr
Anzahl aller Unternehmen41.05134.4595.4001.192
Unternehmen mit Nutzung von Technologien basierend auf Künstlicher Intelligenz (KI)
Anzahl der Unternehmen3.6252.460787378
In Prozent aller Unternehmen8,87,114,631,7
Darunter folgende Technologien (in Prozent der Unternehmen mit Nutzung von Technologien basierend auf KI):
Texterkennung (z. B. Text Mining)56,155,160,653,2
Datenanalyse (z. B. Maschinelles Lernen, Deep Learning)41,837,347,559,0
Automatisierung von Prozessen oder Arbeitsschritten (z. B. KI-Software-basierte Robot Process Automation)29,425,235,544,7
Erkennung, Verarbeitung und Generierung natürlicher Sprache (z. B. NLP, NLG)27,729,123,626,7
Darunter für folgende Zwecke (in Prozent der Unternehmen mit Nutzung von Technologien basierend auf KI):
Organisation betriebswirtschaftlicher Prozesse30,430,330,032,0
Marketing und Verkauf29,230,429,919,6
Management oder Führung des Unternehmens23,122,026,922,8
Produktionsprozesse22,319,624,136,0

 

Grafik 1

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Gerald HAßL, Tel.: +43 1 711 28-8035 bzw. gerald.hassl@statistik.gv.at und  
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