Pressemitteilung: 12.617-208/21

Wirtschaft im Jahr 2020: historischer Rückgang von 6,7%

Wien, 2021-09-28 – Österreichs Wirtschaft verzeichnete im Pandemiejahr 2020 laut Statistik Austria einen historischen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 6,7%, der den Einbruch des Jahres 2009 (-3,8%) im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich übertraf. Nach derzeit vorliegenden Informationen fiel der Rückgang beim wichtigsten Handelspartner Deutschland mit einem Minus von 4,6% weit geringer aus, in der Europäischen Union sank die Wirtschaftsleistung nach vorläufigen Berechnungen um 5,9% (Quelle: EUROSTAT; September 2021).

"Die COVID-19-Pandemie hat die Österreichs Wirtschaft im Jahr 2020 mit voller Wucht getroffen. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte um 6,7% und damit um fast 3 Prozentpunkte kräftiger als im Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009. Nahezu alle Wirtschaftsbereiche verzeichneten deutliche Rückgänge, wobei die Bereiche Beherbergung und Gastronomie sowie die Kultur-, Unterhaltungs- und persönlichen Dienstleistungen besonders hart getroffen wurden. Zwischenzeitlich ist der österreichischen Wirtschaft allerdings der Turnaround gelungen. So lag die Wirtschaftsleistung bereits Ende des 2. Quartals 2021 nahezu auf Vorkrisenniveau", so Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria.

Bruttoinlandsprodukt 2020: fast alle Wirtschaftsabschnitte im Minus

Mit -6,7% liegt der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) unter den vorläufigen Schätzungen für 2020, die noch auf einer weniger breiten Datenbasis beruhten.

Der Rückgang der Wirtschaftsleistung fiel im Produzierenden Bereich mit real -5,6% geringer aus als im Dienstleistungsbereich mit real -7,3%. Maßgeblich für den Rückgang im Produzierenden Bereich war die Herstellung von Waren mit real -7,0%. Das Minus im Bauwesen (real -3,0%) fiel im Vergleich dazu geringer aus. Im Dienstleistungssektor zeigte sich der Einbruch besonders deutlich in der Beherbergung und Gastronomie (real -40,1%), bei den Kultur-, Unterhaltungs- und persönlichen Dienstleistungen (real -19,7%) sowie den Verkehrsdienstleistungen (real -13,0%). Der Handel schrumpfte 2020 real um -4,2%, während die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen als eine von wenigen Branchen ein Wachstum (real +5,1%) verzeichneten.

Drastischer Rückgang der in- und ausländischen Nachfrage

Die Corona-Pandemie hinterließ auch auf der Nachfrageseite massive Spuren. Mit real -6,3% verzeichneten die Konsumausgaben insgesamt einen historischen Einbruch. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte fielen mit einem realen Minus von 8,7% noch deutlicher. Die weitaus stärksten Einbrüche waren beim Konsum von Dienstleistungen (Beherbergung und Gastronomie, Verkehr, Freizeit, Unterhaltung und Kultur) sowie im Bereich Bekleidung und Schuhe zu beobachten. Demgegenüber entwickelte sich der Konsum von Lebensmitteln und Getränken deutlich positiv. Der öffentliche Konsum sank real um 0,5%.

Auch die Nachfrage nach Anlagegütern verzeichnete mit -5,2% einen markanten realen Rückgang. Am stärksten betroffen waren die Fahrzeuginvestitionen (real -10,9%), gefolgt von den Investitionen in Maschinen und Geräte (real -7,8%). Moderater fiel der Rückgang bei den Bauinvestitionen (real -3,7%) und bei der Nachfrage nach immateriellen Anlagegütern (real -3,3%) aus.

Der Einbruch in der Herstellung von Waren spiegelt sich auch in den Warenexporten wider, deren realer Rückgang mit -7,8% stärker ausfiel als jener der Warenimporte (real -6,4%). Deutlich stärker waren die Einbrüche bei den Exporten und Importen von Dienstleistungen (real -17,3% bzw. -16,8%), nicht zuletzt aufgrund der Beschränkungen im Reiseverkehr.

Der wirtschaftliche Einbruch schlug sich auch in den Beschäftigungskennzahlen nieder. Krisenbedingt sanken die geleisteten Arbeitsstunden im Jahr 2020 um 8,7%. Aufgrund der gesetzten Maßnahmen, wie zum Beispiel die Kurzarbeitsregelung, sank die Zahl aller unselbständig und selbständig Erwerbstätigen in Österreich lediglich um 1,9% bzw. um rund 90.000 auf knapp mehr als 4,7 Mio. Beschäftigungsverhältnisse. Das Arbeitnehmerentgelt ging 2020 ebenfalls um 0,4% zurück, wobei diese Position auch die Kurzarbeitsbeihilfen beinhaltet.

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Informationen zur Methodik, Definitionen: Die nach dem standardisierten Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) erstellten Berechnungen entsprechen der mit EU-Verordnung für alle Mitgliedsländer festgelegten Verpflichtung, Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) innerhalb der Europäischen Union nach einheitlichen Konzepten und Methoden zu erstellen. Die Quartalsrechnung für die Hauptaggregate der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen wurde im September 2020 erstmals von Statistik Austria erstellt. Aufgrund des außergewöhnlichen wirtschaftlichen Umfeldes sind zukünftige Revisionen nicht auszuschließen.

 

Tabelle 1: Bruttoinlandsprodukt (BIP) nominell bzw. real 2012 bis 2020
 201220132014201520162017201820192020
BIP, nominell, Mrd. Euro318,65323,91333,15344,27357,61369,36385,42397,52379,32
       % zum Vorjahr2,71,62,93,33,93,34,33,1-4,6
       % zum Vorjahr, real0,70,00,71,02,02,32,51,5-6,7
Tabelle 2: Ausgewählte Wirtschaftsbereiche nominell bzw. real 2012 bis 2020
 201220132014201520162017201820192020
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei nominell, Mrd. Euro4,304,064,003,893,974,474,364,264,17
       % zum Vorjahr-1,2-5,4-1,6-2,82,112,6-2,6-2,2-2,1
       % zum Vorjahr, real-7,2-3,02,82,12,25,23,7-0,1-3,1
Herstellung von Waren, nominell, Mrd. Euro53,2353,4355,1757,4660,9662,2164,8665,7661,69
       % zum Vorjahr3,40,43,34,26,12,04,31,4-6,2
       % zum Vorjahr, real2,00,32,20,94,43,24,30,6-7,0
Bau, nominell, Mrd. Euro18,0318,5518,9619,1719,9521,1522,3423,1423,77
       % zum Vorjahr3,22,92,21,14,16,05,63,62,8
       % zum Vorjahr, real-0,6-1,2-2,3-2,5-0,12,71,1-1,6-3,0
Handel, nominell, Mrd. Euro36,4135,4136,6437,5337,9737,8741,1341,2239,50
       % zum Vorjahr0,5-2,83,52,41,2-0,38,60,2-4,2
       % zum Vorjahr, real-1,7-2,32,22,10,6-0,14,22,0-4,2
Beherbergung und Gastronomie, nominell, Mrd. Euro14,0414,4815,1215,7016,6617,2318,0618,8712,40
       % zum Vorjahr5,13,24,43,86,23,44,94,5-34,3
       % zum Vorjahr, real1,8-0,2-0,4-0,21,70,91,00,6-40,1
Information und Kommunikation, nominell, Mrd. Euro9,419,8010,3610,7011,4611,7212,7313,6813,42
       % zum Vorjahr2,04,25,73,27,12,38,67,5-2,0
       % zum Vorjahr, real-0,82,21,41,55,61,88,27,9-1,7
Grundstück- und Wohnungswesen, nominell, Mrd. Euro26,3727,7428,6829,9031,0132,6934,0835,0336,17
       % zum Vorjahr4,35,23,44,33,75,44,22,83,3
       % zum Vorjahr, real1,71,90,9-0,51,01,41,30,30,3
Öffentliche Verwaltung, nominell, Mrd. Euro14,8814,9715,2315,7216,2116,6417,1817,6818,24
       % zum Vorjahr2,50,61,83,23,12,73,22,93,2
       % zum Vorjahr, real-0,1-0,50,11,31,81,31,20,21,0

 

Tabelle 3: Ausgewählte Verwendungsaggregate nominell bzw. real 2012 bis 2020
 201220132014201520162017201820192020
Konsumausgaben, nominell, Mrd. Euro233,64238,33243,86249,40257,17265,93274,60282,33270,55
       % zum Vorjahr2,82,02,32,33,13,43,32,8-4,2
       % zum Vorjahr, real0,40,10,40,61,61,61,10,9-6,3
Bruttoanlage-investitionen, nominell, Mrd. Euro72,17
74,63
75,49
78,14
82,59
87,27
92,83
99,22
95,77
       % zum Vorjahr3,63,41,23,55,75,76,46,9-3,5
       % zum Vorjahr, real0,91,6-0,42,34,34,24,44,8-5,2
Exporte von Waren und Dienstleistungen, nominell, Mrd. Euro171,99173,10177,86182,77187,41199,64213,68220,39195,10
       % zum Vorjahr2,80,62,72,82,56,57,03,1-11,5
       % zum Vorjahr, real1,40,62,93,03,04,95,13,4-10,8
Tabelle 4: Ausgewählte Verteilungsaggregate 2012 bis 2020
 201220132014201520162017201820192020
Arbeitnehmerentgelt, nominell, Mrd. Euro150,32154,51158,79163,66170,08176,09185,13192,92192,22
       % zum Vorjahr4,2%2,8%2,8%3,1%3,9%3,5%5,1%4,2%-0,4%
Bruttobetriebsüberschuss, nominell, Mrd. Euro127,49127,76131,92135,95142,15146,69153,15155,77154,62
       % zum Vorjahr0,7%0,2%3,3%3,1%4,6%3,2%4,4%1,7%-0,7%
Bruttonationaleinkommen, nominell, Mrd. Euro318,98324,78333,59340,88357,58365,90381,65396,08378,89
       % zum Vorjahr2,5%1,8%2,7%2,2%4,9%2,3%4,3%3,8%-4,3%
Verfügbares Nettoeinkommen, nominell, Mrd. Euro259,73262,79270,53276,13290,38296,97308,60319,98299,96
       % zum Vorjahr2,1%1,2%2,9%2,1%5,2%2,3%3,9%3,7%-6,3%

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
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