Pressemitteilung: 9.731-173/10

Statistisches Jahrbuch für Migration & Integration 2010:  
Integration je nach Zuwanderergruppe unterschiedlich vorangeschritten

Wien, 2010-08-04 – Bereits zum dritten Mal erscheint das Statistische Jahrbuch für Migration & Integration (PDF 8 MB), das von der Statistik Austria – heuer erstmals in Zusammenarbeit mit der Kommission für Migrations- und Integrationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – erstellt wurde. Neben aktuellen Daten und Fakten rund um die Themen Migration und Integration sind erstmals auch 25 definierte Indikatoren zur Beurteilung von Integrationsprozessen enthalten. Diese reichen von demographischen Aspekten über die sozioökonomische Situation bis zum Thema Sicherheit.

18% der Bevölkerung Österreichs haben Migrationshintergrund, ein Drittel davon stammt aus der EU

Anfang 2010 gab es 895.000 ausländische Staatsangehörige in Österreich (10,7% der Bevölkerung). Im Durchschnitt des Jahres 2009 lebten rund 1,468 Millionen Personen (17,8%) mit Migrationshintergrund in Österreich. Davon sind rund 1,083 Millionen selbst im Ausland geboren. Knapp 386.000 Personen sind in Österreich geborene Nachkommen von Eltern mit ausländischem Geburtsort und werden daher auch als „zweite Generation“ bezeichnet. Unter den Personen mit Migrationshintergrund stammte ein Drittel (487.000 Personen) aus anderen EU-Staaten, zwei Drittel (981.000 Personen) kamen aus Drittstaaten. Mit 496.000 waren Personen aus den jugoslawischen Nachfolgestaaten die größte Gruppe, gefolgt von rund 248.000 Personen mit türkischem Migrationshintergrund.

Zuwanderer haben sehr unterschiedliches Bildungsniveau

Personen mit Migrationshintergrund sind in den höchsten (17,4% Hochschulabschluss) und niedrigsten Bildungsschichten (31,3% Pflichtschulabschluss) deutlich öfter vertreten als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (13,7% Hochschulabschluss, 13,3% Pflichtschulabschluss). Der überdurchschnittliche Anteil gut qualifizierter Migrantinnen und Migranten ist vor allem auf Zuwanderung aus der EU (in erster Linie aus Deutschland) zurückzuführen, wogegen Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei deutlich geringer qualifiziert sind.

Niedrigere Erwerbstätigkeit und höhere Arbeitslosigkeit bei Zuwanderern

Personen mit Migrationshintergrund stehen in geringerem Maße im Erwerbsleben. So lag die Erwerbstätigenquote von Migrantinnen und Migranten im Jahr 2009 bei 64%, jene der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund dagegen bei 74%. Dieser Unterschied ist wesentlich auf die niedrigere Erwerbsbeteiligung von Migrantinnen, insbesondere von türkischen Frauen (39%), zurückzuführen. Bei der „zweiten Generation“ hat sich das Erwerbsverhalten dagegen weitgehend an die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund angenähert. Im Gegensatz dazu war 2009 die Arbeitslosigkeit der ausländischen Staatsangehörigen mit 10,2% deutlich höher als jene der Österreicherinnen und Österreicher (6,7%, nationale Definition). Allerdings waren (im Durchschnitt höher qualifizierte) Zuwanderer aus EU-Staaten weitaus weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als (geringer qualifizierte) Migrantinnen und Migranten aus Drittstaaten.

Ausländische Staatsangehörige verdienen weniger und sind stärker von Armut betroffen

Das Lohnniveau ist bei Zuwanderern deutlich niedriger: Ausländische Staatsangehörige, die ganzjährig erwerbstätig waren, verdienten netto im Jahr 2008 mit 17.949 Euro rund 15% weniger als der Durchschnitt in Österreich (21.156 Euro). Gleichzeitig war mehr als ein Viertel (26%) der ausländischen Bevölkerung armutsgefährdet, während es bei der inländischen Bevölkerung nur rund 11% waren.

Integrationsklima in Österreich von Zuwanderern optimistischer eingeschätzt

Das Integrationsklima in Österreich wird von der Bevölkerung pessimistisch eingeschätzt: Mehr als zwei Drittel sind der Meinung, dass Integration eher schlecht oder sehr schlecht funktioniere. Die zugewanderte Bevölkerung teilt diesen Pessimismus allerdings nicht: Die überwiegende Mehrheit (86%) fühlte sich in Österreich bereits völlig oder eher heimisch.

Die vom Bundesministerium für Inneres und vom Europäischen Integrationsfonds finanzierte Publikation ist auf den Webseiten der Statistik Austria und des Österreichischen Integrationsfonds elektronisch verfügbar.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Dr. Stephan MARIK-LEBECK, Tel. (01) 71128-7204 bzw. stephan.marik-lebeck@statistik.gv.at und 
Mag. Alexander WISBAUER, Tel. (01) 71128-7202 bzw. alexander.wisbauer@statistik.gv.at sowie 
an der Universität Wien/ÖAW Univ.-Prof. Dr. Heinz FASSMANN, Tel. (01) 4277-486 80 bzw. heinz.fassmann@univie.ac.at

 

Tabelle 1: Bevölkerung nach Migrationshintergrund 2009
MigrationshintergrundInsgesamt in 1.000in %EU-Land (ohne Österreich)Nicht-EU-Landdarunter: Ex-JugoslawienTürkei
in 1.000
Insgesamt8.262,1100,0487,2980,9496,2247,5
Ohne Migrationshintergrund6.794,082,2    
Mit Migrationshintergrund1.468,117,8487,2980,9496,2247,5
  Erste Migrantengeneration1.082,613,1394,6688349,3151,5
  Zweite Migrantengeneration385,54,792,6292,9146,996,1
Tabelle 2: Erwerbstätigenquote und Bildungsstand nach Migrationshintergrund 2009
MigrationshintergrundErwerbstätigenquote1)Bevölkerung mit nur Pflichtschulabschluss2)Bevölkerung mit Hochschulabschluss2)
in %
Insgesamt71,616,714,4
Ohne Migrationshintergrund73,513,313,7
Mit Migrationshintergrund63,831,317,4
  EU/EWR/Schweiz68,59,928,7
  Ehem. Jugoslawien (ohne Slowenien)66,039,15,2
  Türkei53,868,3(3,6)
  Sonstige59,825,733,8
Tabelle 3: Arbeitslosenquote 2009 sowie Median-Nettojahreseinkommen und Armutsgefährdungsquote 2008 nach Staatsangehörigkeit
StaatsangehörigkeitArbeitslosenquote1) nach Staatsangehörigkeit in %Netto-Jahreseinkommen (Median) in Euro2)Armutsgefährdungsquote in %
Insgesamt7,221.15612,4
Österreich6,721.54310,7
Nicht-Österreich10,217.94926,0
  EU14 (Beitritt vor 2004)/EWR/Schweiz7,321.015(16,7)
  EU12 (Beitritt 2004/2007)17.543
  Ehem. Jugoslawien (ohne Slowenien)11,217.304(16,4)
  Türkei13,917.341(45,2)
  Sonstige13,115.720(42,1)

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